Altstädtische Schützengilde e.V.
Altstädtische Schützengilde e.V.

Geschichte

von Wolfgang Fritze (geschrieben im Jahr 2000 – gefunden im Stadtarchiv der Stadt Brandenburg a.d. Havel)

 

“Gut Ziel nimm für den Weg durchs Leben!”

 

 

Zur Geschichte der Brandenburger Schützengilde

 

Dem Leser sei einleitend erklärt, dass der oben genannte Titelspruch der traditionelle Vereinsruf der Schützengilde ist. Das kommende Jahr 2001 wird uns in den deutschen Landen mit vielfältigen Veranstaltungen und Publikationen auch immer wieder an Preußen erinnern, denn es ist das 300. Jahr seit der Kurfürst Friedrich III. von Brandenburg aus dem Hause Hohenzollern (1688-1713) den Entschluß fasste, sich selbst zum König in Preußen zu machen.

So denn geschehen am 18.01.1701 im ostpreußischen Königsberg. Diese Entscheidung König Friedrich I. bedeutete für das seit 1521 stolz den Namen “Chur- und Hauptstadt” führende Brandenburg aber einen weiteren Verlust an gebliebener einstiger großer Bedeutung der Stadt. Sie tritt nun nach Berlin und Potsdam auch noch hinter Königsberg zurück.
Die Geschichten der beiden Schützengilden in der einstigen Doppelstadt ist von Anbeginn Geschichte unter der Hohenzollernherrschaft und sie begann mit großer Wahrscheinlichkeit in der Regierungszeit des Kurfürsten Joachim I.(1499-1535). Sie ist, wie bei vielen Städten des Mittelalters, auch in Brandenburg eine Geschichte des Wandels unserer Havelstadt und ihrer Wehrorganisation zu dienenden Gliedern von König und Staat.

1945 zerfiel Preußen in einzelne Länder und wurde dann 1947 durch Gesetz des Alliierten Kontrollrates aufgelöst. So schien es denn ab 1945, als sollte das Schützenwesen auch in unserer vom Krieg stark gezeichneten Stadt nun für immer nur noch eine vergangene Spur der Stadtgeschichte werden, auf immer vom Sturm der neuen Zeit zugeweht! Doch mit der Wende des Jahres 1990 entstanden auch Bedingungen, die es möglich machten, nützliche Traditionen vor Ort wieder zu beleben, natürlich unter ihrer Anpassung an die zeitgemäßen Verhältnisse einer demokratisch-parlamentarischen Staatsform.

Heute gehört zum kulturell-sportlichen Leben in der Stadt Brandenburg wieder unüberhörbar auch das Schützenwesen! Die Rede ist von der Schützengilde unserer Stadt. Ein Blick auf die mitgeführte Standarte (siehe Foto unten) gibt genaue Auskunft: “Altstädtische Schützengilde 1559 – 1990 Brandenburg e.V.” Wiedergegründet wurde also 1990 ein Verein, der seit nunmehr 441 Jahren wechselhafter Bestandteil der Stadtgeschichte ist und in ihr zeitweise eine bedeutsame Rolle spielte.

In Brandenburg gab es zwei Schützengilden. Sowohl die Alt- wie auch die Neustadt hatten ihre eigene Schützengilde, waren doch die Alt- und Neustadt bis 1715 selbständige Städte, woran zum Beispiel auch unser heutiges Brandenburger Doppelwappen erinnert.
Warum entstanden nun unsere zwei Schützengilden? Die Antwort auf diese Frage ist nicht von der geschichtlichen Entwicklung der deutschen Lande im Mittelalter, besonders ihrer Städte, zu trennen. Diese Zeit war bekanntlich geprägt von ständiger Unsicherheit. Häufige Adelsfehden, Kriege der Fürsten und Landesherren, Raubrittertum, Räuber- und Söldnerhorden machten das Leben überall unsicher. Das zwang die aufblühenden Städte, sich um immer besseren Schutz zu bemühen. So entstanden die Stadtbefestigungen, es kam zu Städtebündnissen, immer besseren Kriegsgeräten und primären Maßnahmen der Wehrpflicht des städtischen Bürgertums. Es wurde mehr oder weniger regelmäßig zu “Musterungen”, sprich zu militärischen Übungen zum Schutz der Stadt gerufen. So auch in den Städten Brandenburg.

Blicken wir auf eine ältere Stadtkarte, sogar noch auf der von 1903, finden wir vor dem Rathenower Tor der Altstadt in der Nähe des Schützenhauses die Bezeichnung “Musterwiese”. Es kann also festgehalten werden, dass sich seit dem 13. Jahrhundert in den deutschen Städten die Bürger zu Schützengenossenschaften zusammenschlossen. Bei der Organisierung solcher Schützenbruderschaften oder auch Gilden waren die schon länger bestehenden kirchlichen Brüderschaften das Vorbild.

Wie die Zünfte, hatten auch die Schützengilden ihren besonderen Heiligen, den von Pfeilen durchbohrten Sebastian, sie hatten ihre Wappen und Fahnen, hatten Altäre und Kapellen. Von der ständig gewachsenen Bedeutung der Gilden zum Schutz ihrer Städte zeugte z.B. das große Freischießen zu Magdeburg im Jahr 1387. In Süddeutschland waren um 1400 Schützenfeste bereits Selbstverständlichkeit. Von hier aus erfasste das Schützengildewesen mehr und mehr den norddeutschen Raum, besonders nach 1473, wo die Reliquien des heiligen Sebastian nach Braunschweig gelangten. Zahlreich entstanden nun “Sebastiansbrüderschaften”. Waren die Schützeninnungen nach und nach entstanden aus dem Gegensatz zu den Kooperationen der adligen Ritterschaft, wuchsen sie nun zu einem Machtfaktor des freien Bürgertums heran, gefördert von Stadt- und Landesherren.

Die Mehrzahl der mittelalterlichen Städte war dem jeweiligen Fürsten zu Kriegsleistungen verpflichtet. Das führte auch zu Spannungen zwischen Stadt- und Landesherr, zwang doch sein Befehl die Städte, Interessen zu dienen, die nicht immer dem Wohl der Stadt entsprachen. Die bereits genannten Städtebündnisse dienten also manchmal auch der Abwehr von maßlosen Forderungen des eigenen Landesherren. Das galt für unser Brandenburg zum Beispiel in der Zeit der Herrschaft der Wittelsbacher und dann der Luxemburger.
Auch die Bewaffnung der Schützen unterlag der zeitlichen Entwicklung, hier der der Waffentechnik. Am Anfang waren Pfeil und Bogen die Waffen der Schützen, doch bald schon folgte die Armbrust. Sie war lange Zeit die typische Waffe der Bürger und existierte in vielen Arten. Mit ihr wurde bei Übungen auf Figuren, wie eine Vogelnachbildung auf einer Stange, geschossen. Doch mit der Büchse als Handfeuerwaffe kam im 15. Jahrhundert die Schützenscheibe auf.

Zwei Beispiele dazu: Das große Freischießen zu Zürich von 1492 wurde bereits nur für Büchsen ausgeschrieben. in Halle lud man 1601 bereits 156 (!) Städte zum Vogelschießen ein. Von unserer Stadt ist bekannt, dass es noch bis Ende der 18. Jahrhunderts gedauert hat, bis auf Kurfürstlichen Befehl hin die beider Gilden der Städte von der Armbrust auf Musketen umgerüstet wurden. Neben der Büchse war es das Geschütz, das den Sieg der Feuerwaffe im 15. Jahrhundert dokumentierte. Das 16. Jahrhundert wurde dann die Zeit des Verfalls der Wehrschaft der städtischen Bürger. Söldnerheere der Fürsten gewannen an Bedeutung. Musterungen wurden seltener, für Brandenburg z.B. vom Kurfürsten noch 1567, 1583 und 1610 befohlen. Militärisch waren diese Veranstaltungen fast bedeutungslos, meist wurden sie zu harmlosen Schützenfesten. Die Städte wurden mit wachsender Fürstenmach mehr und mehr zu dienenden Gliedern des Staates. Das begann für die Mark schon ab 1412, mit Beginn der Hohenzollernherrschaft. Die beiden Städte Brandenburg behaupteten recht lange ihre Rechte und Privilegien.

Die Schützengil der Brandenburger Neustadt feierte 1931 ihren 500. Geburtstag. In einigen Quellen ist zu lesen, dass die Neustädter Schützen am 6. Juni 1512 nach Berlin zur Teilnahme an einem Schützenfest eingeladen waren. Lange galten diese Schriftstücke als Ersterwähnung der Neustadtgilde. Nach diesem Ereignis hat sich die Gilde zu ersten mal Aufgelöst und wurde erst 1543 wieder ins Leben gerufen, übrigens mit ihrem alten Statut bestätigt. Ein neues Statut gab es im Jahr 1606. Im 30jährigen Krieg zerfiel die Gilde zum zweiten mal und vereinigte sich dann unter ihrem Statut vom 1. März 1665. Durch den Großen Kurfürstsen erfuhr die Neustädtische Schützengilde mit einem Freibrief vom 27. August 1686 ihre erneute Bestätigung. 1722 beschloß König Friedrich Wilhelm I. den Verfall aller Schützengilden seines Reiches und zog deren Gelder, die in der Aceiskasse enthaltenen Douceurgelder, einfach ein. Er brauchte das Geld für seine Soldaten.

Erst 27 Jahre später, Friedrich der Große regierte nun, wurde 1749 wieder ein Schützenfest gefeiert. Mit einem Freibrief erkannte Friedrich II. am 2. Mai 1750 ihre Wiedergründung an.

 

 

In den Jahren um 1920 sprach das rege Leben der Gilde der Neustadt zum Beispiel die Bereitschaft von Mitgliedern der Schützengilde, durch finanzielle Vorleistungen über den Erwerb von “Anteilscheinen” (siehe Abbildung) die Vergrößerung und den Umbau der Schützenstände der neustädtischen Schützengilde zu ermöglichen. Dem zuvor genannten Datum 2. Mai 1750 lagen dann auch die Feierlichkeiten vom 30. Mai 1926 in Brandenburg zu Grunde, die dem 175jährigen Neubestehen der Neustädtischen Schützengilde gewidmet waren. Seit dieser Zeit bestand die “Neustädtische Schützengilde e.V.” ununterbrochen bis zum 19. November 1936. Aus finanziellen Gründen musste sich die Gilde auflösen, da half auch das Arrangement mit dem “Dritten Reich” durch Änderung der Gilden-Satzung von 1935 nicht. Die Mitglieder traten teilweise der Altstädtischen Schützengilde bei, die allerdings auch ihren Namen aufgegeben hatte. Wir kennen bereits von der heutigen Standarte die Jahreszahl 1559. Im Gegensatz zur Neustadt ist die Gründung der Altstädtischen Gilde exakt bekannt. denn in seinem Privilegium vom 3. Mai 1559 gestattete Kurfürst Joachim II. der Altstadt ihre Schützenbrüderschaft. Wie wichtig ein solches Privilegium war, zeigt ein Beispiel. Auch damals – hier um 1690 – fehlte es an Mitteln. Die Neustadt wollte deshalb ihrer Gilde kein Geld für Schießprämien bewilligen. Da zeigte sich der Rückhalt, den die Gilden beim Landesherren besaßen. Eine Beschwerde der Gilde in dieser Sache beim Fürsten zwang die Stadt zur Zahlung. Wie überall in deutschen Landen mussten auch die Brandenburger Bürger ab 1626 fast ständig die Einlagerung fremder Truppen in ihre zwei Städte erleiden.

 

 
 

Spielten die Gilden Brandenburgs 1813 innerhalb der Bürger-Garde von 1806 eine positive Rolle im Kampf gegen die Fremdenherrschaft, so stellten beide Schützengilden 1848 einmütig je eine eigene Abteilung von insgesamt 150 Mann für den Schützenverein (so nannte sich jetzt die Brandenburger Bürgerwehr). Der Verein hatte eine Gesamtstärke von rund 800 Mann, war königstreu und wurde vom Militär mit zusätzlich 400 Gewehren ausgerüstet. Seitens der Regierung war der Schutzverein mit dem Recht ausgestattet worden, “…im Bedarfsfall von der Waffe gebrauch zu machen”. Die revolutionären Ereignisse in Berlin griffen zwar nicht direkt auf Brandenburg über, aber in der Einwohnerschaft verschärften sich, je nach politischem Standpunkt die Gegensätze. Neben dem Stadt-Bürgertum begannen auch Handwerksgesellen und Arbeiter zunehmend ihre Rechte geltend zu machen. So blieb es nicht aus, dass am 28. Mai 1848 der Schützenverein mit der Waffe in der Hand gegen sich empörende Tuchmachergesellen vorging, als diese auf der Straße höheren Lohn forderten. Vergessen war die so genannte “Biedermeierzeit”, in der die Schützenfestes beider Gilden noch echt Volksfeste waren. Zum traditionellen “Königschießen”, “Vogelschießen” und “Ringschießen” entstanden auf beiden Schützenplätzen ganze Budenstädte und es herrschte ein fröhliches Jahrmarkttreiben. Dieser Trubel überdeckte ein wenig die häufigen Spannungen, die Brandenburg zwischen Alt- und Neustadt bestanden, auch zwischen den Gilden. 1848 wurden beide öffentlich in der Zeitung ermahnt, doch Vorbild zu sein bei der Schaffung von Bürgereintracht in Brandenburg.

Der politische Meinungsstreit entzündete sich besonders am damaligen Oberbürgermeister von Brandenburg, Franz Ziegler, und er wurde auch in den zahlreich entstandenen und -clubs, darunter auch im Bürgerwehr-Club, ausgetragen. Es waren die Bürgerwehr und das Militär, die November 1848 die Preußische Nationalversammlung schützten, als diese mit ihrer königstreuen Minderheit im Brandenburger Dom tagte. Die “Staatsnähe” blieb für Brandenburgs Gilden auch in der Folgezeit bestehen, was sich auch in ihren Schützenmedaillen widerspiegelt.

 

 

1935 schließlich konnte laut Neustädtischer Gilden-Satzung, nur noch der Mitglied werden, der von arischer Abstammung war. Die Altstädtische Schützengilde musste im Dritten Reich ihren Namen aufgeben, vor 1945 bestand sie als “Schützengemeinschaft Brandenburg (Havel)” weiter.
Heute nun marschieren sie wieder, die Schützen als “Altstädtische Schützengilde 1559-1990 Brandenburg e.V.”. Paragraph 1 des Statuts der Altstädtischen Schützengilde vom 12. Dezember 1879 lautet: “Zweck der Gilde ist, sich mit den Waffen, besonders mit der Schusswaffe, vertraut zu machen, und sich zur geselligen Erholung und zum Vergnügen zu versammeln, auch an außerordentlichen festlichen Aufzügen sich zu beteiligen”.
Heute dient die Schützengilde hoffentlich nur dem Zweck der Geselligkeit für ihre zur Zeit 160 Mitglieder, dann ist sie zugleich eine willkommene Bereicherung des kulturell-sportlichen Lebens in unserer Havelstadt, für die sie hoffentlich noch viele sportliche Erfolge erringen möge, ganz im Sinne der alten Schützenspruchs
“Gut Ziel nimm für den Weg durchs Leben!”.

 

 

Altstädtische Schützengilde e.V.

Friedrichshafener Str 16 A

14772 Brandenburg

Öffnungszeiten:

Mittwoch, Donnerstag und Freitag

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